In der Not rücken die Menschen näher zusammen. Auf die Wirtschaft lässt sich der Spruch aber nicht übertragen. Denn in der Krise bauen Unternehmen Personal ab, und damit steigt zunächst der Flächenverbrauch pro Mitarbeiter. Erst wenn die Firmen die Chance erhalten, aus Mietverträgen auszusteigen oder Leerflächen unterzuvermieten, geht der Pro-Kopf-Verbrauch zurück. "Die Anpassung folgt üblicherweise mit einer Verzögerung von mindestens sechs Monaten", sagt Matthias Barthauer, Analyst beim Immobiliendienstleister
Jones Lang LaSalle (JLL).
Ungeachtet von Konjunkturzyklen spricht viel dafür, dass die Deutschen künftig enger beieinandersitzen. "Der Trend geht zu einer höheren Flächenausnutzung", sagt Thomas Beyerle, Leiter der Immobilienanalyse bei der Fondsgesellschaft Aberdeen. Dies zeige sich bereits bei Neubauten und Modernisierungen: Einzelzimmer weichen Großraumbüros, die eine bessere Flächenausnutzung bieten. Die Entwicklung hat gravierende Folgen für den Immobilienmarkt. "Zum einen sinkt die Büronachfrage insgesamt. Zudem werden Flächen, die keine flexiblen Nutzungskonzepte ermöglichen, kaum noch vermittelbar sein", so Beyerle.
Dass die Freizügigkeit der Arbeitnehmer stärker eingeschränkt wird, dafür sprechen mehrere Gründe. "Die Einzelbüros stammen aus einer Zeit, als die Arbeitswelt hierarchisch gegliedert war", so Beyerle. Die Zunahme der Teamarbeit erfordere aber größere Räume, in denen Mitarbeiter besser miteinander kommunizieren könnten. Zudem verschärfe die Kostentransparenz den Anpassungsdruck. "Wenn Konzerne die Effizienz ihrer Mitarbeiter bewerten, beziehen sie die anteilige Miete als Kostenfaktor stärker mit ein", so Beyerle. Für JLL-Analyst Barthauer spielt dabei vor allem die Globalisierung eine Rolle: "Wenn Unternehmen im Ausland sehen, mit wie viel Fläche sie pro Mitarbeiter auskommen, fragen sie sich natürlich, ob sie ähnliche Konzepte nicht auch hier umsetzen können."
capital.de, 04.03.2010
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