Wie viel ein Menschenleben nun wert ist, kann Erhard Brändle nicht beantworten. Zumindest nicht verallgemeinert, womöglich noch im Bundesdurchschnitt. Brändle weiß nur, wie viel ein Mensch in Stuttgart kostet. Das dafür verblüffend genau. Ein Blick in eine der Akten mit der Aufschrift "Familienförderprogramm" reicht. Noch kurz etwas kopfrechnen, dann hat der Leiter des Amtes für Liegenschaften und Wohnen die Antwort parat: 15.000 Euro.
So viel zahlt Stuttgart im Schnitt für einen Bürger, der in der Stadt leben will, sich eine Wohnung oder ein Haus kauft oder gleich ein komplett neues Eigenheim hochzimmert. Schon über 20 Jahren hilft die Stadt Familien, die sich dafür entscheiden, zuzuziehen - oder einfach
in Stuttgart zu bleiben und nicht ins günstigere Umland abzuwandern. 70 Millionen Euro Fördermittel spendierte die Stadt bisher, 36.000 Menschen haben von dem Programm profitiert. "Sicher ist das ein stolzes Sümmchen", sagt Brändle: "Hätten wir das nicht gemacht, wären wir aber geschrumpft." Und das wäre noch teurer geworden.
Stuttgart, das als eine der ersten Städte in Deutschland eine finanzielle Unterstützung für Häuslebauer eingeführt hat, steht mit seiner Förderung längst nicht mehr allein da. Seitdem Ende 2005 die bundesweite Eigenheimzulage abgeschafft wurde, über die Hauskäufer oder Bauherren einen Zuschuss in Höhe von einem Prozent der Anschaffungskosten erhielten, locken nun Kommunen mit eigenen Förderprogrammen. Egal ob ein Kaff wie Bienenbüttel oder die Großstadt Düsseldorf. Sie alle konkurrieren um die auf absehbare Zeit knappste Ressource des Landes: Familien.
"Trotz klammer öffentlicher Kassen rechnet sich die Familienförderung für die Kommunen", sagt Hans Dietmar Schneider, Sprecher der Aktion pro Eigenheim. Der Wegzug junger Familien werde gestoppt, und neue Familien stärken durch den Zuzug die Infrastruktur: Schulen, Kindergärten, Vereine, aber auch der Einzelhandel profitieren von der Integration junger Familien am Wohnort, sagt Schneider. Außerdem gibt es da noch den kommunalen Finanzausgleich, der Städten für jeden Einwohner Geld in die Kasse spült. Die Aktion pro Eigenheim betreibt im Auftrag des Bundesverbandes der Baustoffhändler eine Website (www.aktion-pro-eigenheim.de), auf der Kommunen ihre Förderprogramme registrieren können.
Noch vor drei Jahren waren erst 148 Städte und Gemeinden registriert, heute sind es 660. Alle Programme sind auf junge Familien mit Kindern angelegt. Dabei gilt meist die Regel: Je mehr Kinder, desto mehr Fördergeld. Außerdem stellen die Kommunen über Gehaltsobergrenzen sicher, dass nur gefördert wird, wer das Geld tatsächlich auch benötigt.







