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Niedrige Zinsen

Die Bausparsumme bei Neuverträgen fiel um rund 10 Prozent.
Investor-Artikel

Bankdarlehen schlagen Bausparverträge

Die Deutschen verlieren die Lust am Bausparen: Das Neugeschäft ist 2009 deutlich zurückgegangen. Für die Anbieter ist die Wirtschaftskrise Schuld. Doch hohe Gebühren und niedrige Zinsen machen klassische Annuitätendarlehen derzeit deutlich attraktiver. Von Richard Haimann

2009 mussten die Institute beim Neugeschäft im Schnitt einen deutlichen Einbruch hinnehmen. Bei den privaten Bausparkassen, die im Bestandsgeschäft einen Marktanteil von 66 Prozent halten, fiel die Bausparsumme neuer Verträge gegenüber dem Vorjahr von 62,8 auf 56 Milliarden Euro - ein Minus von 10,8 Prozent. Andreas Zehnder, Vorstandsvorsitzender des Verbands Privater Bausparkassen (VPB), verweist auf die Wirtschaftskrise: "Wer Angst um seinen Arbeitsplatz oder sein Einkommen hat, wartet erst mal ab, bevor er langfristig Geld spart oder investiert."



Anders urteilen neutrale Experten: Bausparfinanzierungen seien derzeit teurer als klassische Annuitätendarlehen, sagt Peter Lischke, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Berlin. "Steigen die Zinssätze für Hypothekenkredite in den nächsten zehn Jahren nicht deutlich, lohnt sich Bausparen nicht."

Bausparer zahlen im Ansparzeitraum monatlich einen festen Betrag ein, bis mindestens 40 Prozent der vereinbarten Bausparsumme angesammelt sind. Danach wird die gesamte Summe von der Bausparkasse ausgezahlt, wobei der noch nicht angesparte Betrag als Darlehen gewährt wird. Es muss samt Zinsen in einem festen Zeitraum getilgt werden.

Abschlussgebühr schmälert Sparzinsen

"Gegenwärtig verzinsen Bausparkassen das angesparte Kapital der Kunden mit 0,5 bis 1 Prozent pro Jahr und damit deutlich niedriger als Banken bei langfristigen Sparplänen", sagt Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. So gewährt die Volkswagen Bank derzeit bei einem zehnjährigen Sparplan einen Effektivzins von 2,66 Prozent pro Jahr.

Hinzu kommt beim Bausparen die Abschlussgebühr von einem Prozent der gesamten Bausparsumme. Oftmals übersteige die Gebühr die vom Staat in der Ansparphase gewährte Wohnungsbauprämie von maximal 91,10 Euro pro Jahr für verheiratete Paare und 45,06 Euro für Singles.

Eine Beispielrechnung macht dies deutlich: Bei einer Bausparsumme von 100.000 Euro beträgt die Abschlussgebühr 1000 Euro. Damit der Vertrag bei einer nominalen Zinsrate von einem Prozent nach zehn Jahren zuteilungsreif ist, muss die Familie jeden Monat 330 Euro einzahlen. Nach zehn Jahren verfügt sie inklusive der Wohnungsbauprämie von insgesamt 910,10 Euro über ein Guthaben von 41.462 Euro. "Beim Sparplan der Volkswagen Bank hingegen hätte sie bei identischer Monatsrate im selben Zeitraum 45.338 Euro zusammen", rechnet Gottschalk vor. Ein Plus von 3876 Euro.

Bei der vereinbarten Summe von 100.000 Euro muss der Bausparer anschließend ein Darlehen von 59.449 Euro aufnehmen und binnen zehn Jahren tilgen. Die Bausparkasse beziffert den Darlehenszins zwar nur mit 3,75 Prozent pro Jahr. "Wird der Minderertrag von 3876 Euro gegenüber dem Banksparplan berücksichtigt, ergibt sich beim Bauspardarlehen jedoch ein Effektivzins von 5,11 Prozent pro Jahr", sagt Gottschalk. Nur wenn der Zinssatz für ein klassisches Annuitätendarlehen in zehn Jahren höher liegen sollte, sei der Bausparer im Vorteil.

capital.de, 18.02.2010
© 2010 capital.de © Fotos / Illustrationen: Getty Images


Was die Leser sagen

Gladewitz
18.02.2010 | 18:20
Bankdarlehen schlagen BSV

Hallo,
mathematisch mag die Berechnung zwar korrekt sein, praktisch einfach nur schlecht beraten! Wer sein Ziel von den eigenen Wänden erreichen will bedarf immer einer individuellen Beratung. Denn sicher ist, nur wer zum richtigen Zeitpunkt, mit dem richtigen Produkt arbeitet, erreicht das Sparziel optimal finanziert. Da es kein Patentrezept gibt, heißt es, lassen Sie sich gut beraten und setzen sie immer den gesunden Menschenverstand ein!

(Kommentare 1-1 von 1)

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