Zentral gelegen zwischen Hauptbahnhof, Außenalster, Sechslingspforte und Norderstraße erstreckt sich auf rund 1,8 Quadratkilometern dieser Hamburger Stadtteil. Das quirlige Viertel verdankt seinen Namen dem Lepra-Hospital, das um 1200 außerhalb der Stadt gegründet und nach dem Heiligen Georg benannt worden war. Noch heute hat das Szeneviertel sein eigenes, gleichnamiges Krankenhaus.
Künstler, Schauspieler, Kreative, Junge und Junggebliebene, Familien, Paare, Singles und Alteingesessene – rund 10.400 Einwohner vieler Kulturen zählt das Viertel. "Das Schmuddelkind-Image ist aber passé", sagt Bezirksamtsleiter Markus Schreiber. Auch namhafte Unternehmen finden St. Georg attraktiv: Siemens, Philips, IBM und der Finanzdienstleister Eos betreiben hier Niederlassungen. Ebenso ist der Stadtteil Sitz des 1995 neu gegründeten Erzbistums Hamburg, der nördlichste Bischofssitz hierzulande. Mariendom, Dreifaltigkeitskirche und Moschee stehen in schöner Eintracht beieinander. Zu den Einwohnern gesellen sich jede Menge Touristen, die Hoteldichte ist hier so hoch wie sonst nirgends in Hamburg. Das bekannteste dürfte wohl das altehrwürdige "Atlantic" direkt an der Alster sein, das Domizil von Udo Lindenberg. Das Deutsche Schauspielhaus, das Kabarett-Theater Polittbüro und das wiedereröffnete Hansa Variété Theater am Steindamm, Galerien wie auch das Museum für Kunst und Gewerbe gegenüber dem Hauptbahnhof bieten kulturelle Abwechslung. Fitness-Jünger wiederum drehen ihre Runden um die Alster, Business-Leute sitzen im Sommer nach Feierabend in einer der Alster-Bars und schauen den Seglern und Ruderern zu.
Wer über die zentrale Straße des Viertels flaniert, die Lange Reihe, begegnet nicht selten einem bekannten Gesicht aus Kino oder Fernsehen: von Monika Bleibtreu, Rolf Becker, Götz George bis hin zu den Jungschauspielern der Daily-Soaps. Nicht ohne Grund wurde St. Georgs Hauptschlagader auch schon als das "spannendste Pflaster der Stadt" bezeichnet: Hier findet man chinesische, indische und Balkan-Supermärkte ebenso wie Bioläden, Edelrestaurants wie das "Cox" oder die "Turnhalle" genauso wie urige Kneipen, etwa "Das Dorf" oder "Frau Möller". Dazu kommen trendige Bars, Edelboutiquen und alteingesessene Handwerksbetriebe. Hans Albers wurde in dieser Straße geboren, Hans Leip, der Autor des Liedes "Lily Marleen", verbrachte hier seine Kindheit.
Der Hype um den Kultstadtteil fordert natürlich seinen Preis: So sind in den vergangenen Jahren zahlreiche hochwertige Neubauten entstanden, bei Mietpreisen ab 13 Euro pro Quadratmeter. Zur Miete wird derzeit ein 119 Quadratmeter großes Loft, Baujahr 2003, für 1600 Euro kalt angeboten. "Am meisten nachgefragt sind die direkten Wasserlagen An der Alster sowie die Lange Reihe, Koppel, Schmilinsky- und Gurlittstraße", erläutert Mathias Rumpf, Geschäftsführer von Engel&Völkers Hamburg-Alster. Parallel zur Langen Reihe steht in der Koppel derzeit eine 178 Quadratmeter große Penthousewohnung über zwei Etagen für rund eine Million Euro zum Verkauf – Alster-Blick, Kamin, begehbarer Kleiderschrank und ein in die Wand eingelassener Weinklimaschrank inklusive. Da zieht es selbst eingefleischte Harvestehude- und Eppendorf-Fans an die östliche Alster-Seite.
Die Preisstaffelung in St. Georg bringt Rumpf auf einen einfachen Nenner: "Je näher an der Alster, desto besser die Lage und desto teurer die Objekte. Und je weiter weg in Richtung Steindamm, desto günstiger wird es." So starten die Mietpreise etwa am Steindamm bei acht Euro, die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen bei 1200 Euro, während für Lagen An der Alster mit Wasserblick das Doppelte bis Vierfache bezahlt wird. Es wird viel gebaut: Nach Verzögerungen sollen im März die Arbeiten für den "Alster Campus" mit direkter Verbindung zwischen Langer Reihe und Alster beginnen. Das ehemalige Volksfürsorge-Gebäude an der Außenalster wird dafür abgerissen und durch einen Neubau für Büros und rund 100 Wohnungen ersetzt. Das Kultkaufhaus 1000 Töpfe, 60 Jahre lang in einem barackenartigen Flachbau an der Langen Reihe untergebracht, macht Ende Januar dicht. Auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Gelände zwischen der Langen Reihe, Bülau- und Knorrestraße sollen fünfstöckige Gebäude mit bis zu 120 hochwertigen Wohnungen entstehen. Wenige Straßen von der Langen Reihe entfernt wird in der Soester Straße ein Gebäudekomplex mit Zwei- bis Vierzimmerwohnungen hochgezogen. Geplante Fertigstellung: Ende 2009. Die Objekte werden bereits angeboten – der Quadratmeter Eigentumswohnung zu 4455 Euro, was für St. Georgs Verhältnisse allerdings den Preisen der Top-Lagen entspricht.
Auch in Richtung Steindamm schreitet der Baueifer voran: Hier entstehen auf dem ehemaligen Siemens-Parkplatz Ecke Lindenstraße/Ferdinand-Beit-Straße – einem 3500 Quadratmeter großen Gelände – vier Häuser mit zusammen 60 Wohnungen von 53 bis 105 Quadratmetern für junge Familien und acht Penthäuser von 170 bis 250 Quadratmetern Größe. Ob sie zum Kauf oder zur Miete angeboten werden, steht noch nicht fest, im Herbst dieses Jahres soll die Anlage fertig sein. Außerdem werden auf einem zweiten Grundstück zwei Häuser für genossenschaftliche Mietwohnungen gebaut.
Trotz der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise rechnet Immobilienexperte Rumpf für die kommenden zwölf Monate mit stabilen Preisen in St. Georg: "Die Finanzkrise beflügelt eher den Immobilienmarkt, denn es wird wieder verstärkt in Sachwerte investiert."






