Ein Stapel Kuchenteller stand Pate für das Studentenwohnheim: Als die Architekten aus dem Kopenhagener Büro Lundgaard und Tranberg eines Tages wieder einmal über Ideen brüteten, hatten sie gerade Kuchen gegessen. Da fielen einem Mitarbeiter die gestapelten leeren Teller ins Auge - und plötzlich war klar: Kreisrund sollte das neue Wohnheim werden. Rund und im Stapeldesign.
Heute ist das Tietgenkollegiet von 360 Studenten bewohnt. Es wirkt tatsächlich, als bestünde es aus mehreren Schichten. Nach außen hin liegen die Wohneinheiten, die meisten davon Ein-Zimmer-Apartments mit 26 bis 33 Quadratmetern, viele mit Balkon. Auf der Innenseite des kreisrunden Baus kochen die Studenten in großzügigen Küchen - und blicken dabei durch raumhohe Fensterflächen auf den grasbewachsenen Innenhof, den Treffpunkt an lauen Sommerabenden. Für die Studenten sind das luxuriöse Verhältnisse. Monatlich zahlen sie 390 bis 450 Euro, das gilt in bester Kopenhagener Lage als günstig. Dort ist man doppelt so hohe Zimmermieten wie in Deutschland gewöhnt.
Dass die Studenten hier so modern und trotzdem relativ günstig wohnen können, ist einer privaten Initiative zu verdanken: Das Geld für den Neubau kam von der Nordea-Stiftung, der größten nordeuropäischen Bank. Entstanden ist sie unter anderem aus dem Zusammenschluss mehrerer Sparkassen. Deren Anteile wurden in Aktien umgewandelt und stellen heute den drittgrößten Nordea-Posten dar. Weil die früheren Sparkassen nicht gewinnorientiert waren, müssen die vom Fonds erwirtschafteten Gewinne der Allgemeinheit zugutekommen - die Förderung von Studenten ist da eine Option. "Wir möchten vor allem zukunftsweisende Projekte unterstützen", sagt Mogens Hugo, Beiratsvorsitzender der Stiftung. "Und Studenten sind natürlich ein Teil der zukünftigen Generation."
Als klar war, dass für den Stadtteil Örestad ein Wohnheim gebraucht wurde, sprang die Nordea-Stiftung ein und stellte insgesamt 115 Mio. Euro für den Bau zur Verfügung - als Geschenk. "Das ist natürlich sehr viel", so Hugo. "Aber wir hatten auch hohe Ansprüche: Wir wollten das Studentenwohnheim der Zukunft bauen, eines, an dem sich andere ein Beispiel nehmen können." Die von den Studenten gezahlten Mieten müssen lediglich den Unterhalt des Hauses decken.
Weil in Kopenhagen Wohnungsmangel herrscht, ist der Andrang enorm. Wer im Tietgenkollegiet wohnen möchte, muss sich deshalb wie um ein begehrtes Praktikum bewerben. Auch die Noten zählen. "Ich habe einen recht guten Schnitt gehabt und konnte nach einem Jahr Wartezeit einziehen", erzählt etwa Katinka Bidsted, die seit eineinhalb Jahren im Kollegiet wohnt. "Die Auswahl trägt auch dazu bei, dass die Studenten hier engagierter sind, sich mehr als eine Gemeinschaft fühlen." Zwar hat jeder der Bewohner ein eigenes Bad, die Küchen werden aber von mehreren geteilt. "So leben wir nicht einfach nebeneinander her, wie es sonst oft der Fall ist", so Bidsted. Auch Musikzimmer, Lesesaal, Werkstätten und Fitnessraum tragen dazu bei.
Das Tietgenkollegiet ist nicht das einzige von einer Stiftung betriebene Studentenwohnheim in Dänemark. Ungefähr zeitgleich wurde ein weiteres eingeweiht, ebenfalls aus Bankgeldern finanziert, ebenfalls nobel anzuschauen. Zudem gibt es gleich eine ganze Reihe historischer Wohnheime. Beispielsweise wird das Egmont Kollegium durch die Stiftung des gleichnamigen Verlags und andere gemeinnützige Geldgeber finanziert. Möglicherweise ist das ein Modell, das man sich hierzulande vom nordischen Nachbarn abschauen könnte. Allerdings sehen nicht alle der stiftungsfinanzierten Wohnheim so gut aus: Das Kopenhagener Egmont Kollegium etwa würde rein äußerlich eher in eine Plattenbausiedlung passen.






