Antonio Barrientos, der ehemalige Bürgermeister von Estepona, einer Stadt an der spanischen Mittelmeerküste südlich von Marbella, wurde wegen Betrugsverdacht inhaftiert und trat kürzlich von seinem Amt zurück. Barrientos, ein gelernter Arzt, schaffte es, viele Politiker zu täuschen - vor allem die sozialistische Zentralregierung in Madrid, die hoffte, dass der Mann mit dem Drei-Tage-Bart endlich mit der Korruption an der Costa del Sol aufräumen würde. Jetzt sitzt der 43-Jährige im Gefängnis, denn er soll Anführer einer mafiaähnlichen Struktur gewesen sein und versucht haben, am spanischen Bauboom illegal mitzuverdienen.
Als Barrientos 2004 sein Amt antrat, distanzierte er sich umgehend von den Bauskandalen um den langjährigen Bürgermeister Marbellas, Jesús Gil y Gil, sowie seinen Nachfolgern, die ebenfalls in Konflikt mit der Justiz gerieten. „In Estepona werden wir verantwortungsvoller bauen, wir werden die Küsten schützen“, so Barrientos im Sommer 2004. Dies hat sich nun offiziell als Farce erwiesen. Mitte Juni wurden in der Stadtverwaltung von Estepona 26 Verdächtige wegen Betrugsverdachts festgenommen, weitere 14 Personen kamen kürzlich hinzu.
Dass in der derzeitigen Hochsaison in Estepona nur 60 Prozent der Hotelbetten belegt sind, dürfte Folge des Korruptionsskandals sein. „Die ausländischen Touristen haben diese üblen Geschichten einfach satt“, sagt Manuel Romera, Dozent für Finanzwissenschaften an der spanischen Business-Schule Instituto de Empresa. Dass Estepona letztlich genauso von Korruption betroffen sei wie Marbella und Malaga, wo vor zwei Jahren der größte Geldwäscherring Europas aufgedeckt wurde, sei sehr enttäuschend, aber absehbar gewesen.
Und das obwohl der Ort Modellcharakter für eine neue, aufgeräumte Costa del Sol haben sollte. So hatte Barrientos seine Stadt angepriesen: „Estepona kann man überhaupt nicht mit dem zugepflasterten Marbella vergleichen, bei uns gibt es kein einziges illegal gebautes Haus.“ Er versuchte, sich von seinem bekannten, aber verrufenen Nachbarn zu distanzieren, unter anderem indem er Fach-Kongresse in seine Stadt holte, statt Nachtclubs zu eröffnen. Dass auch Barrientos letztlich wohl ein korrupter Politiker war, missfällt vielen ausländischen Ferienhausbesitzern. „Man muss sich fast schämen, wenn man sagt, dass man ein Haus an der Costa del Sol hat, hier ist alles von Korruption durchsetzt“, klagt der Deutsche Andreas Möller, der eine Ferienwohnung in Estepona besitzt.
Wie er haben viele ausländische Käufer die rechtlich unsichere Lage auf dem spanischen Immobilienmarkt satt: Die Nachfrage nach Wohnungen am Meer geht drastisch zurück und damit auch die Preise. Im ersten Quartal dieses Jahres sank der Quadratmeterpreis in Estepona um mehr als zehn Prozent von 2810 auf 2460 Euro. Dabei galt der Ort bis vor knapp zwei Jahren als Wachstumsregion, als einzige Stadt an der Costa del Sol in der die Makler Preissteigerungen voraussagten. Der Durchschnittspreis einer Ein-Zimmer-Wohnung sank hier auf rund 150 000 Euro. „Aber wer möchte an so einem verrufenen Ort wohnen“, sagt die in Portugal ansässige deutsche Maklerin Susanne Gross. Sie profitiert von den Abwanderungsströmen aus Spanien, denn viele Ausländer investieren jetzt im ruhigeren Portugal.







