Innerhalb von nur fünf Jahren sind die Immobilienpreise im marokkanischen Massentourismus-Ort Agadir um 358 Prozent gestiegen. Das berichtet das am Ort ansässige französische Fachblatt l'Economiste. Die marokkanische Regierung beobachtet diese Entwicklung mit Besorgnis und hat zwölf Maßnahmen beschlossen, um die Preisspirale zu stoppen. Die wichtigste Maßnahme: Künftig sollen mehr brachliegende urbane Grundstücke zur Bebauung freigegeben werden, um das Angebot zu erhöhen. Ausländische Investorenprojekte werden genauer unter die Lupe genommen, schärfere Kontrollen sollen zudem die zahlreichen Schwarzgeldgeschäfte unterbinden.
Vor allem Franzosen findet man im Küstenort im Süden Marokkos en masse, insbesondere Rentner haben dort ihren Altersruhesitz. "Inzwischen dürften aber Spanier an erster Stelle der ausländischen Käufer von Ferienimmobilien in Agadir stehen", sagt der in Frankreich lebende und auf dem marokkanischen Markt versierte Makler Oliver Kirner. Sie stammen zum großen Teil von den nahe gelegenen Kanarischen Inseln. Außerdem haben viele spanische Unternehmen wie Fadesa in Agadir investiert. Zahlreiche Hotels, edle Restaurants, Bars und Nachtclubs sind fest in spanischer Hand. Auch Deutsche haben in der Hafenstadt am Atlantik einen Zweitwohnsitz. Ihre Zahl ist vergleichsweise gering, obwohl die Direktverbindungen vom Al Massira Airport nach Deutschland sowie die günstigen Lebenshaltungskosten den Ort als Standort für eine Ferienimmobilie durchaus interessant machen.
95 Prozent der Immobilientransaktionen teilen aber immer noch die Auslands-Marokkaner und Einheimischen unter sich auf. So wie Marrakesch als Partyhauptstadt des Königreiches gilt, ist Agadir das bevorzugte Seebad der Marokkaner. Wer zur aufstrebenden Mittelschicht gehört, der hat mindestens eine Wohnung in der südlichsten Großstadt Marokkos. Aus dem Norden ist sie ab dem Jahr 2009 bequem über die dann fertiggestellte Autobahn zu erreichen.
Immobilien sind trotz des starken Preisanstiegs noch vergleichsweise erschwinglich. Eine 50 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung in besserer Lage kostet rund 50.000 Euro. "Leider gibt es kaum gut funktionierende Hausverwaltungen. Gemeinschaftseigentum befindet sich deshalb oft in katastrophalem Zustand", klagt Makler Kirner. Innerstädtische Villen werden ab 300.000 Euro angeboten. Für interessante große Grundstücke mit Meerblick müssen Käufer dagegen einen durchaus europäischen Preis zahlen. 9300 Quadratmeter direkt am Wasser, 41 Kilometer südlich von Agadir gelegen, kosten etwa 400.000 Euro.
Billiger ist es, wenn das Terrain nicht über einen Eigentumstitel (titre foncier) verfügt. Das in Marokko parallel angewandte koranische Grundstücksrecht bietet erhebliche Preisminderungen. So kosten benachbarte Grundstücke, die nach diesem Recht eingeschrieben wurden, nur rund 40.000 Euro pro Hektar. Doch Vorsicht: Während das erste Angebot dem Käufer völlige Rechtssicherheit nach französischem Vorbild bietet, wird das zweite diesen Status erst nach mehrjährigem behördlichen Aufwand erlangen.
Bei den Mieten für Ferienimmobilien ist Agadir schon lange kein Schnäppchenmarkt mehr. Das liegt auch daran, dass dort inzwischen alle großen Reiseveranstalter vertreten sind und die Nachfrage dementsprechend groß ist. Zwischen 25 und 100 Euro pro Tag muss man für eine Wohnung beziehungsweise ein Haus einplanen.
capital.de, 14.10.2008
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