Der dänische Immobilienmarkt ist in einer kritischen Situation. Einerseits mussten die Preise während der Finanzkrise schon einmal deutlich korrigiert werden. Folge: Seither sind sie um 16 Prozent gefallen. Dieser Rückgang hat wiederum zu einer schweren Krise im Bankensystem des Landes geführt, dem gut ein Dutzend kleinerer Institute zum Opfer fielen. Derzeit fallen die Tarife für Häuser wieder, im zweiten Quartal annualisiert um 3,2 Prozent.
Nach Einschätzung von Jed Asmussen, Chefökonom bei Svenska Handelsbanken, ist die Korrektur nach lange nicht beendet. Er warnt vor einer Blase. Immobilien in Dänemark seien immer noch 25 Prozent zu teuer, meint der Analyst. Für 2011 sei ein Preisrückgang von fünf Prozent wahrscheinlich, 2012 ein Minus von zwei Prozent.
Und genau hier lauert seiner Meinung nach die Gefahr einer Überhitzung des Marktes: Denn die Regierung in Kopenhagen bemüht sich, den Immobilienmarkt zu stützen, was das Risiko einer gefährlichen Überbewertung in sich berge. Denn trotz der hohen Tarife spricht etwa die Vereinigung der dänischen Hypothekenbanken von einem "eingefrorenen Markt" mit einem gewaltigen Angebotsüberhang, der dringend aufgelöst werden müsse.
Der Häusermarkt ist von großer Bedeutung für die Wirtschaft des deutschen Nachbarlandes. Die frisch gekürte Wahlsiegerin Helle Thorning-Schmidt denkt über Steuererleichterungen für Immobilienbesitzer nach, um das Geschäft zu stärken. Niels Roenholt von der Jyske Bank sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Wenn wir ein deutliches Wirtschaftswachstum sehen wollen, dann brauchen wir eine Wiederbelebung des Immobilienmarkts. Die Konjunktur hängt sehr stark davon ab, dass der Immobilienmarkt wieder in Gang kommt."
Die Dänen sind angesichts der Finanzkrise ausnehmend vorsichtig geworden. Peter Birch Sorensen, Wirtschaftsprofessor von der Universität Kopenhagen, sagte Bloomberg: "Am Immobilienmarkt ist viel Geld verlorengegangen. Die Dänen sparen deshalb derzeit sehr viel, um ihr Vermögen wieder aufzubauen."
So zeigen Umfragen, dass Hauseigentümer, bekämen sie Kronen geschenkt, das Geld zur Abzahlung ihrer Kredite und nicht für den Konsum nutzen würden. Der private Konsum ist jedoch auch in Dänemark ein wichtiges Konjunkturstandbein, steht er doch für gut die Hälfte der Wirtschaftsleistung des nordeuropäischen Landes.

capital.de, 08:51 Uhr
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