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Immobilienmarkt in der Krise

Schlechte Lage auf dem spanischen Immobiliensektor

Lange konnte die Krise des spanischen Immobilienmarkts vertuscht werden, doch jetzt müssen spanische Politiker und Lobbyisten die kritische Situation eingestehen.
Von Stefanie Kremer

Auch die Asociación de Promotores Constructores de España (Apce), der spanische Interessenverband der Bauentwickler, beschönigt die Umstände nicht mehr: Seit September vergangenen Jahres seien die Preise bei Neubauten um 15 Prozent gesunken, die Nachfrage in 2008 bereits um 60 Prozent. Da die Bauwirtschaft bisher der Hauptwachstumsmotor des Immobilienmarktes war, lassen die negativen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft nicht auf sich warten. Das spanische Wirtschaftsministerium rechnet für das zweite Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes um zwei Prozent. Im vergangenen Jahr lag es noch bei über vier Prozent.



Jetzt beginnen die Lobbyisten, die jahrelang auf dem spanischen Immobilienmarkt profitierten, sich aber nicht rechtzeitig auf die Krise vorbereiteten, staatliche Hilfe zu verlangen. Sie fordern die Umwandlung leer stehender Häuserkomplexe zu Sozialwohnungen, Kredithilfen für angeschlagene Bauunternehmen und steuerliche Erleichterungen für Immobilienkäufer. Der spanische Wirtschafts- und Finanzminister Pedro Solbes, nach eigenen Aussagen selbst von der Schnelligkeit des Absturzes auf dem Wohnungsmarkt überrascht, lehnte dies bereits ab. Statt der 700 000 neuen Appartments, die 2007 noch gebaut wurden, werden es nach Angaben von Lehman Brothers in diesem Jahr nur noch 200 000 sein.

Viele kleinere Bauentwickler, die bereits im vergangenen Jahr Projekte begonnen haben, geraten daher in finanzielle Bedrängnis. In Katalonien bieten Eigentümer derzeit 2 000 Wohnungen zum Herstellungspreis an, um überhaupt zu verkaufen und ihre Schuldenlast abbauen zu können. "Wir werden zwischen 20 und 40 Prozent mit den Preisen heruntergehen, sodass Wohnungen um die 100 Quadratmeter bereits ab 120 000 Euro zu erwerben sind", sagt Valentí Oliveras, Geschäftsführer des Genossenschaftsverbandes spanischer Immobilienunternehmen, Acd’ei. Man riskiere lieber finanzielle Verluste, als Kredite aufzunehmen. Allein bei den Sparkassen machen Baukredite fast ein Viertel des gesamten Darlehensvolumens aus, sie werden von der zunehmend wachsenden Zahlungsunfähigkeit des Sektors ebenfalls getroffen.

capital.de, 28.05.2008
© 2008 capital.de © Fotos / Illustrationen: capital.de


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