"Kaufen Sie eine Wohnung und bekommen Sie einen BMW gratis dazu" – mit solchen Angeboten reagieren die spanische Immobilienwirtschaft und die von der Wirtschaftskrise stark betroffene Autoindustrie gemeinsam auf die schwache Nachfrage in beiden Branchen. Angebote dieser Art findet man zum Beispiel in Barcelona. Kein Wunder: Eine Million Wohnungen und Häuser werden nach Schätzungen Ende des Jahres in Spanien zum Verkauf stehen, doch Interessenten sind weiter Mangelware. Nach Angaben des spanischen Bauministeriums sind die Immobilientransaktionen im ersten Halbjahr 2008 um 31 Prozent zurückgegangen. Viele Eigentümer müssen sich zwangsweise von ihrem Haus trennen. "Die Zahl der Versteigerungen von Häusern und Wohnungen hat sich in den vergangenen zwei Jahren verdreifacht", sagt Javier Zapatero vom Branchenverband Asociación Nacional de Expertos en Gestión de Enajenaciones y Subastas (ANEGES).
Um Kaufinteressenten zu locken, werden die Angebote der Makler immer attraktiver. Die Immobilienagentur Steinert auf Teneriffa etwa gibt in ihrem Newsletter Preisnachlässe von bis zu 150 000 Euro bekannt. "Wegen der steigenden Kreditzinsen und der zunehmenden Arbeitslosigkeit steht vielen Verkäufern das Wasser bis zum Hals", weiß Manuel Romera, Direktor für Finanzwissenschaften an der Madrider Business-Schule Instituto de Empresa. Beispiel Teneriffa: Eine Luxusvilla, die die Agentur Steinert im Sortiment hat, ist heute eine Million Euro günstiger als noch vor ein paar Monaten. 1,5 Millionen Euro soll nun das Anwesen auf der Kanaren-Insel kosten - ein Schnäppchen.
Wie das Branchenportal idealista.com berichtet, gehen Verkäufer auch bei Neubauwohnungen inzwischen mit den Preisen runter, bei Gebrauchtwohnungen sogar um bis zu 30 Prozent. Nach Angaben der spanischen Schätzungsgesellschaft Tinsa fielen die Quadratmeterpreise im dritten Quartal nur um knapp sechs Prozent. "Das erklärt sich dadurch, dass zurzeit einfach sehr wenig verkauft wird, und in die Statistiken fließen immer nur die Preise von verkauften Immobilien ein", erläutert ein Sprecher von idealista.com. Aufs Jahr gesehen gingen die Preise an der Küste gemäß Tinsa bereits um knapp neun Prozent zurück.
Wie das deutsche Maklerunternehmen Kühn & Partner auf Mallorca hoffen viele Immobilienagenten nun, dass die internationale Finanzkrise wieder mehr Käufer in die Büros treibt. "Denn es gibt doch keine bessere Investition als die in Steine", heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.
capital.de, 24.10.2008
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