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16.11.2011
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Ballungsräume

Investor-Artikel

Genossen wohnen günstiger

Hamburg, Frankfurt, München - in begehrten Metropolen ist bezahlbarer Wohnraum rar. Wohnungen von Genossenschaften stehen hoch im Kurs, weil die Mieten moderat sind. Von Sarah Sommer

Wer als Durchschnittsverdiener in den wachsenden Metropolen München, Hamburg oder Frankfurt eine bezahlbare Wohnung sucht, kommt an den Angeboten der Wohnungsgenossenschaften heute kaum vorbei. Genossenschaftswohnungen sind meist gut in Schuss, weil die Genossen einen großen Teil ihrer Gewinne in den Bestand reinvestieren. Viele ihrer Mietshäuser liegen zudem in attraktiven Stadtvierteln, und die Mieten steigen weniger rasant als die privater Anbieter.

Kein Wunder also, dass in vielen Städten ein regelrechter Ansturm auf die Genossenschaftswohnungen eingesetzt hat. "Bei uns in Hamburg ist der Wohnraum so knapp, dass es seit Jahren bei keiner der 30 Genossenschaften Leerstand gibt", sagt Frank Seeger, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften.

Ein Ende des Engpasses ist hier nicht abzusehen, denn die Nachfrage steigt weiter: Immer mehr Menschen ziehen in die Nordmetropole. Ähnlich sieht es in München, Frankfurt, Köln und Berlin aus. "Es lohnt sich jetzt für uns wieder zu bauen", sagt Seeger. In der ganzen Stadt entstünden neue Genossenschaftswohnungen.

Etliche Neubauprojekte in Planung

Wie in Hamburg planen Genossenschaften in vielen Großstädten jetzt verstärkt Neubauprojekte. Die Mitgliedschaft in einer Wohnungsgenossenschaft als Alternative zu Miete und Eigentum liegt im Trend. Es ist nicht nur die Wohnungsknappheit, die den Genossen neue Mitglieder in die Arme treibt. "Lange hatte das genossenschaftliche Wohnen ein etwas angestaubtes Image", sagt Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

Immerhin stammen die ältesten Wohnungsgenossenschaften noch aus der Frühzeit des Genossenschaftsgedankens und sind über 130 Jahre alt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie ursprünglich als Selbsthilfevereine gegründet, um den Menschen in den rasch wachsenden Industriestädten menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen.

Aus dieser Historie stammt auch das Missverständnis, dass Genossenschaften in erster Linie altruistische Ziele verfolgen. "Viele verwechseln Wohnungsgenossenschaften mit dem öffentlichen sozialen Wohnungsbau", erklärt Gedaschko.

Doch Genossenschaften haben vor allem die Bedürfnisse von Normalverdienern im Blick. "Wohnungsgenossenschaften müssen sich heute genauso am Markt behaupten wie andere Gesellschaften“, sagt der GdW-Präsident. "Allerdings müssen sie keine utopischen Gewinne an Investoren abführen, sondern können den erwirtschafteten Mehrwert in die Wohnungen reinvestieren oder als Dividende an die Mitglieder ausschütten." Dividenden von bis zu vier Prozent jährlich seien in Zeiten niedriger Zinsen durchaus ein handfestes Argument für die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft. Investitionen in das gemeinsame Wohneigentum gehen allerdings bei den meisten Genossenschaften vor.

Zehn Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland sind aktuell in genossenschaftlicher Hand - 2,2 Millionen Wohnungen mit insgesamt fünf Millionen Bewohnern. Fast 4 Mrd. Euro haben die Genossen allein 2009 in den Bestand und den Neubau investiert. Das ist vielerorts auch notwendig, denn der Wohnungsbestand stammt zum Teil noch aus den Gründungszeiten Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. "Alte Wohnungen, ein veraltetes Solidarkonzept: Das sind Vorurteile, mit denen Genossenschaften es teils zu tun bekamen", sagt Gedaschko. "Jetzt aber bemerken immer mehr Menschen, dass sowohl die Wohnungen als auch der Genossenschaftsgedanke hochmodern und attraktiv sind."

ftd.de, 17:44 Uhr
© 2011 ftd.de © Fotos / Illustrationen: Getty


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