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20.07.2012

Immobilienexperte Just im Interview

Tobias Just
Investor-Artikel

"Wir sind sensibler geworden"

Auch wenn es noch keine Blasenanzeichen gibt, sollten Anleger beim Immobilienkauf aufs Risiko achten, meint Tobias Just, Geschäftsführer der Irebs Immobilienakademie. Von Georgia Hädicke

Herr Just, laut Umfragen hält gut ein Drittel der Deutschen eine Immobilienblase in den kommenden Jahren für möglich, Experten widersprechen dem jedoch. Wieso sind die Interpretationen des Geschehens am Wohnimmobilienmarkt so unterschiedlich?

Das hat vor allem mit der selektiven Wahrnehmung der Marktteilnehmer zu tun. Wer in seinem privaten Umfeld einen Eigenheimbesitzer hat, der von zehnprozentigen Wertsteigerungen berichtet, für den fällt so etwas besonders stark ins Gewicht. Zudem sind wir dadurch, dass in den USA und in Spanien in den vergangenen Jahren Immobilienblasen geplatzt sind, sensibler geworden.

Deuten die Preissteigerungen bei deutschen Wohnimmobilien denn nun bereits eine Blase an?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht. In Deutschland werden die Preissteigerungen auch deswegen so stark wahrgenommen, weil wir seit 1995 einfach keine steigenden Preise hatten. Da sind dann durchschnittliche Preisanstiege von drei Prozent schon etwas Besonderes, aber eben noch lange kein Grund zur Panik. Dennoch gibt es auch im deutschen Markt durchaus Risiken, auf die man hinweisen muss.

Welche Risiken sind das?

Spekulationsblasen entstehen vorwiegend dann, wenn es zunächst einmal gute Gründe gibt, weshalb die Preise steigen - und diese Gründe dann aber dazu benutzt werden, um jede folgende Preissteigerung zu rechtfertigen. So ist es etwa in Spanien passiert. Doch auch in Deutschland ist diese Entwicklung nicht ausgeschlossen. Wir haben mit den niedrigen Zinsen, einem vergleichsweise guten Wirtschaftsumfeld und einer durch Zuzug steigenden Anzahl an Haushalten drei gute Gründe für die Preissteigerungen. Doch damit kann man nicht jeden hohen Kaufpreis begründen. Außerdem muss man sich klarmachen, dass nicht unbedingt eine Blase platzen muss, damit Preise sinken. Genauso wie wir im Moment fundamentale Gründe für steigende Preise haben, kann es am Markt aus fundamentalen Gründen irgendwann auch wieder abwärtsgehen.

Deutschland ist derzeit auch bei ausländischen Profiinvestoren beliebt. Verstärkt sich so der Effekt auf die Preise?

Vereinzelt kommt das sicher vor, allerdings kann nicht von Spekulation im großen Umfang sprechen. Der deutsche Immobilienmarkt ist immer noch vergleichsweise konservativ.

ftd, 10:57 Uhr
© 2012 ftd © Fotos / Illustrationen: Irebs/Hans-Jürgen Heyer


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