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16.02.2008

Heizen

Kostenvergleich für ein Einfamilienhaus mit geringem Bedarf

Wer liefert Wärme und Warmwasser am günstigsten: Gas- oder Ölgeräte, Wärmepumpen oder Holzpelletkessel? Der attraktive Anschaffungspreis des Gassystems verhilft ihm zu den niedrigsten Jahreskosten. Würden allein die Ausgaben für Energie entscheiden, hätten die Wärmepumpen die Nase vorn. Holz landet abgeschlagen auf dem letzten Platz. Von Karl-Heinz Seyfried

Capital vergleicht die Anschaffungskosten sowie den jährlichen Aufwand für drei Heizsysteme, die bei Experten und Hausbesitzern hoch im Kurs stehen: - Öl-Brennwertkessel, - Gas-Brennwerttherme: Mehr zu diesen Systemen hier, - Wärmepumpe, die der Umgebungsluft Wärme entzieht: Mehr zu diesen Systemen hier, - Wärmepumpe, die Erdwärme mit einer Sonde, die 100 Meter tief reicht, nutzt, - Holzheizkessel, der vollautomatisch mit Pellets gefüttert wird: Mehr zu diesen Systemen hier,

Das Modellhaus hat einen jährlichen Heizbedarf von rund 10.000 Kilowattstunden, was rund 1000 Litern Heizöl oder 1000 Kubikmetern Erdgas entspricht. Das reicht bei einem Niedrigenergiehaus, das pro Quadratmeter Wohnfläche jährlich 60 Kilowattstunden Wärme benötigt, für gut 150 Quadratmeter Wohnraum. Ein Haus, das nur gerade die aktuelle Neubaunorm erfüllt, hat den gleichen Energieverbrauch bereits bei etwa 100 Quadratmetern. Altbauten können durch nachträgliche Wärmedämmung auf solche und sogar noch niedrigere Verbrauchswerte getrimmt werden.

Was Wärme und heißes Wasser pro Jahr kosten

Die Tabelle zeigt, welche Kosten jährlich anfallen. In der Rechnung werden die je nach Anlagetyp unterschiedlich hohen Investitionen mit einem Darlehen zu vier Prozent Zinsen finanziert. Die Position Kreditrate nennt den Betrag, mit dem es nach 20 Jahren getilgt wäre – nach der Zeit also, die Heizanlagen erfahrungsgemäß in Betrieb bleiben. Auch wenn der Hausbesitzer die Anlage aus eigenen Mittel finanziert, muss er einen solchen Betrag einkalkulieren, denn er könnte das Geld statt im Heizungskeller auf einem Bankkonto anlegen.

Position

Gas- Brenn- wert- therme

Öl- Brenn- wertkessel

Wärme- pumpe für Luftnutzung

Wärme- pumpe mit Erdsonde

Holz- pellet- anlage

Jahreskosten der Heizung

Hauptenergie

824

728

490

425

536

Zusatzstrom für Regelung u. Pumpen

85

85

68

68

102

Kreditrate

482

519

876

949

1.126

Wartung und Instandhaltung*

250

330

100

100

450

Summe der Heizkosten

1.641

1.662

1.534

1.542

2.214

Jahreskosten der Warmwasserbereitung

Hauptenergie

108

123

306

306

188

Zusatzstrom für Regelung u. Pumpen

17

17

-

-

34

Kreditrate

110

110

74

74

110

Summe der Warm- wasserkosten

235

250

380

380

332

Gesamtkosten für Heizung u. Warmwasser

1.876

1.912

1.913

1.922

2.546

Angaben in Euro mit Mehrwertsteuer. * Mit Wartung und Instandhaltung der Warmwasseranlage, bei Öl mit 30 Euro für Gewässerschadenversicherung. Quelle: Prof. Peter Müller, TZWL / FH Dortmund.

Auf diesen Daten basiert die Jahresrechnung

Position

Gas- Brenn- wert- therme

Öl- Brenn- wert- kessel

Wärme- pumpe für Luft- nutzung

Wärme- pumpe mit Erdsonde

Holz- pellet- anlage

Heizverbrauch in Kilowattstunden (kWh)

Hauptenergie (Gas, Öl, Strom oder Holz)

10.400

11.200

3.000

2.500

13.400

Zusatzstrom für Regelung und Pumpen

500

500

400

400

600

Verbrauch für Warmwasser in kWh

Hauptenergie (Gas, Öl, Strom oder Holz)

1.800

1.900

1.800

1.800

2.900

Zusatzstrom für Regelung und Pumpen

100

100

0

0

200

Energiepreise in Euro-Cent je Kilowattstunde

Hauptenergie(Gas, Öl, Strom oder Holz)*

6,0

6,5

13,0

13,0

4,0

Strom für Regelung, Pumpen usw.

17,0

17,0

17,0

17,0

17,0

Diese Investitionen wurden einkalkuliert

Position

Gas- Brenn- wert- therme

Öl- Brenn- wert- kessel

Wärme- pumpe für Luft- nutzung

Wärme- pumpe mit Erdsonde

Holz- pellet- anlage

+

Energie- versorgung*

1.500

1.000

6.000

6.000

2.500

+

Schornsteinbau oder -sanierung

600

600

-

-

2.000

+

Heizanlage samt Steuerung

3.000

4.000

5.000

6.000

9.500

+

Montage der Anlage

600

600

300

300

600

+

Zusatz- installationen**

850

850

600

600

700

-

Fördermittel

1.500

=

Summe Heizanlage

6.550

7.050

11.900

12.900

13.800

+

Zusatzanlage f. Warmwasser***

1.500

1.500

1.000

1.000

1.500

=

Gesamt- investition

8.050

8.550

12.900

13.900

15.300

Energieversorgung. In der Tabelle sind für die Gasanlage die üblichen Kosten eines Neuanschlusses an das Netz aufgeführt. Beim Ölkessel wurde der Preis eines Öltanks, beim Holzkessel der eines Vorratssystems angesetzt – jeweils mit der Verbindung zum Kessel. Würde nur ein altes Gas- beziehungsweise Ölgerät durch ein neues ersetzt, könnten diese Kosten entfallen. Bei der Erd-Wärmepumpe werden die Ausgaben für das Bohrloch und die darin versenkte Sonde genannt, bei der Luft-Wärmepumpe der Betrag für den Wärmetauscher. Schornstein. Bei Gas-, Öl- und Holzanlagen sind die Kosten für den Bau eines passenden Schornsteins berücksichtigt. Ist der im Altbau vorhanden, genügt der halbe Betrag, um den Kamin zu sanieren und an die neuen Abgasmengen anzupassen. Fördermittel. Der Staat fördert Pelletkessel mit 1500 Euro, was im Vergleich berücksichtigt wird. Mit einem ähnlichen Betrag helfen etliche örtliche Versorger beim Kauf einer Wärmepumpe. Da die Höhe und die Vergaberegeln unterschiedlich sind, und es die Zuschüsse ohnehin nicht überall gibt, fehlen sie in der Tabelle. Vielfältig sind auch die Sondertarife für Wärmepumpen; teils werden besonders günstige Nachttarife angeboten, mit denen sich rund ein Drittel des Verbrauchs bestreiten lässt. In den Berechnungen wird ein durchschnittlicher Strompreis angesetzt. Warmwasserbereitung. Das heiße Wasser für Küche und Bad bereiten die Gas-, Öl- und Holzanlagen mit. Bei den Wärmepumpen müsste die Zusatzkapazität für das Warmwasser teuer bezahlt werden, deshalb liefern es separate Elektrodurchlauferhitzer.

Diese Kosten enthält die Musterrechnung nicht
Wärmeverteilung. Die Ausgaben für die Wärmeverteilung im Haus sind bei diesem Heizkostenvergleich nicht berücksichtigt. Die Berechnungen unterstellen eine Fußbodenheizung, bei der schon rund 40 Grad warmes Heizwasser auch an kalten Tagen für wohnliche Temperaturen sorgen kann. Ein solches System ist beim Neubau für rund 8000 Euro zu haben, während eine Wärmeverteilung mit Heizkörpern nur rund 4500 Euro kosten würde. Viele Bauherren wählen dennoch die komfortable Fußbodenheizung, die auch bei der Möblierung alle Freiheiten lässt. Heiztechnisch kommt diese Wahl den Wärmepumpen entgegen, die bei den niederen Temperaturen einer Fußbodenheizung besonders effizient arbeiten. Bei einer Altbaumodernisierung könnten die vorhandenen Heizkörper eventuell zu klein sein, um das Haus mit den Heizwassertemperaturen zu erwärmen, die für Wärmepumpen aber auch für Brennwertgeräte optimal sind. Für neue, größere Heizkörper wären dann etwa 2000 Euro zusätzlich einzuplanen. Platzbedarf der Systeme. Für die Standflächen der Anlagen wurden keine Kosten angesetzt, weil in der Regel ohnehin genug Kellerraum vorhanden ist. Ist er knapp, lässt sich die im Vergleich angesetzte Gastherme - ein kompaktes Wandgeräte - vielfach in der Küche oder in einem Bad installieren. Eventuell kann dort auch der kleine Ölkessel unterkommen, sein Brennstoff würde über eine Rohrleitung nach oben gepumpt. Befindet sich das Heizgerät im Wohnbereich, temperiert es diesen mit seiner Abwärme.

capital.de, 08:00 Uhr
© 2008 capital.de © Fotos / Illustrationen: Photocase


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