Die Schuldenkrise in Europa beschäftigt derzeit Anleger auf der ganzen Welt. Welche Gedanken machen sich Immobilieninvestoren dazu?
Die internationalen Investoren haben die Entwicklungen sehr genau im Blick. Im Moment profitiert der deutsche Markt sehr stark von der Situation. Wir haben immer häufiger den Fall, dass Anleger Märkte wie Italien oder Frankreich kritischer sehen und plötzlich nach Deutschland schauen. Sie verhalten sich ähnlich wie Anleiheinvestoren und wollen sich langsam aus Regionen wie Frankreich oder Italien zurückziehen. Sicherheit ist derzeit oberstes Gebot.
Dass sich die Probleme der Euro-Zone langfristig auch auf Deutschland auswirken könnten, schreckt sie nicht ab?
Die Frage stellt sich natürlich. Aber es gibt derzeit nur wenige Alternativen. Die USA haben ihr Toprating als Schuldner verloren. Und in Großbritannien, das als Immobilienmarkt gerade für globale Investoren eine große Rolle spielt, lässt sich ebenfalls nur schwer sagen, wie gut sich das britische Pfund langfristig als Währung schlägt. Investoren, die nicht aus der EU kommen, haben derzeit keine Bedenken, nach Deutschland zu gehen. Das liegt an den vergleichsweise geringen Absicherungskosten und am niedrigen Zinsniveau.
Aus welchen Regionen kommen die Investoren?
Besonders über institutionelle Anleger aus Kanada fließt derzeit sehr viel Geld nach Deutschland. Für diese war bis vor einiger Zeit noch das Vereinigte Königreich die erste Anlaufstelle, doch das Interesse an Deutschland nimmt zu. Die bis dato größte Transaktion bei Einzelhandelsimmobilien in diesem Jahr wurde von Kanadas größtem Pensionsfonds durchgeführt, der sich mit knapp 600 Mio. Euro an Deutschlands größtem Shoppingcenter in Oberhausen beteiligt. Auch die größte Transaktion bei den Büroimmobilien war eine kanadische Investition.

Warum sind gerade Kanadier so begeistert von deutschen Gewerbeimmobilien?
In Kanada gibt es viele große Pensionsfonds, die auf viel Geld sitzen, das sie irgendwie anlegen müssen. Was sie zur Verfügung haben, wollen sie global verteilen, auch in Europa - zumal der kanadische Immobilienmarkt ziemlich leer gekauft ist. Kanada ist aber nicht das einzige Beispiel. Auch der norwegische Staatsfonds - einer der größten der Welt - hat gerade damit begonnen sich ein Immobilienportfolio aufzubauen. Das ist ein Trend, der sich auch in den kommenden Monaten noch fortsetzen wird.








