Geschichte Die Auswahl börsennotierter Immobilienaktiengesellschaften in Deutschland ist überschaubar - und die Kurshistorie der Papiere bislang kein Ruhmesblatt für das Management: Hohe Schulden und der Wirtschaftseinbruch schlugen 2008 Investoren reihenweise in die Flucht. Seit Anfang 2009 geht es zwar wieder aufwärts, im Schnitt liegen die Kurse jedoch bei der Hälfte ihres Wertes von vor fünf Jahren, gemessen am Solactive Dimax Deutschland TR Index. Das Barometer bildet die Kursentwicklung von börsengehandelten Unternehmen und Real Estate Investment Trusts (REITs) ab, deren Geschäftszweck darin besteht, deutsche Immobilien zu halten. Prominenteste und größte Vertreter im Index sind TAG Immobilien, GSW, IVG Immobilien und Gagfah.
Funktionsweise Die Immobiliengesellschaften investieren mit Eigenkapital, das sie bei Anlegern im Zuge von Kapitalerhöhungen eingesammelt haben, und über Bankkredite oder Anleihen eingeworbenem Fremdkapital in Immobilien. Manche Anbieter sind auf bestimmte Regionen spezialisiert - GSW etwa auf Berlin, andere auf bestimmte Immobilienarten: So investieren TAG und GSW vornehmlich in Wohnungen, IVG eher in Bürogebäude.
Vorzüge Die Aktien von Immobiliengesellschaften werden ständig gehandelt, Anleger können sich selbst mit kleineren Summen beteiligen - ein Vorteil gegenüber Direktinvestitionen und Immobilienfonds, die zuletzt Schwierigkeiten hatten, Liquidationswünschen der Anleger nachzukommen. Der ständige Handel führt indes dazu, dass der Kurs der Papiere je nach Börsenlage deutlich vom sogenannten Nettoinventarwert je Aktie abweichen kann. Dieser Wert errechnet sich aus dem vom Unternehmen und von Sachverständigen ermittelten Wert der Immobilien abzüglich aller Schulden. Er ist ein guter, wenngleich nicht absolut verlässlicher Indikator für den inneren Wert der Aktie.
Risiken Investoren sollten Immobilienaktiengesellschaften nicht als ein Anlagevehikel sehen, mit dem sie automatisch auf steigende Immobilienpreise setzen können. Entscheidend für Gewinne und Kursentwicklung ist vielmehr das Management. Kauft es günstig Immobilien ein? Gelingt es ihm, die Zahl leer stehender Wohnungen und Büros zu senken, Synergien in der Bewirtschaftung zu heben, Objekte vorteilhaft zu verkaufen und - vor allem - für Anleger konstant hohe Ausschüttungen aus Mieterlösen zu generieren? Wer als Investor ein Immobilienengagement über Aktien eingehen will, setzt am besten auf einen breit gestreuten Immobilienaktienindex. Einzelaktien sollte er nur dann wählen, wenn er vom Management hundertprozentig überzeugt ist.

Aus dem Magazin
Den ausführlichen Artikel aus dem Capital-Immobilienkompass finden Sie in Heft 06/2012, die seit dem 16. Mai 2012 im Handel ist.
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