Mit Aktien börsennotierter amerikanischer Immobilienunternehmen ließ sich im vergangenen Jahr gutes Geld verdienen. "Die 153 gelisteten Gesellschaften bescherten ihren Aktionären 2011 eine Rendite von 7,3 Prozent aus Kursgewinnen und Dividenden", sagt Brad Case, Researchchef des Branchenverbands Nareit. Zum Vergleich: Der Total Return beim marktbreiten US-Aktienindex S&P 500 lag lediglich bei 2,1 Prozent, und bei einem Investment in die Technologiebörse Nasdaq mussten Anleger gar ein Minus von 1,8 Prozent verschmerzen. Experten sind zwar geteilter Meinung, ob die Gesellschaften im laufenden Jahr die Anleger erneut mit solch überdurchschnittlichen Erträgen verwöhnen werden - solide Renditen verheißen sie jedoch allemal.
In den USA haben Immobiliengesellschaften den steueroptimierten Status eines Real Estate Investment Trusts (REIT). Sie müssen Gewinne nicht versteuern, sondern zu 90 Prozent an die Aktionäre weiterreichen, bei denen dann der Fiskus zugreift. 2011 schütteten die Unternehmen mit einer Börsenkapitalisierung von insgesamt knapp 200 Mrd. Dollar rund 9,7 Mrd. Dollar an Dividenden aus.
Die durchschnittliche Dividendenrendite von 4,8 Prozent macht die Papiere nicht nur für ältere Privatanleger interessant, die mit den vierteljährlichen Zahlungen ihre Renten aufbessern. Auch Versicherer und Pensionskassen investieren eifrig in REITs, weil ihnen die kontinuierlichen Kapitalströme helfen, Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Versicherten zu erfüllen. Diese institutionellen Investoren waren es auch, die den US-REITs vergangenes Jahr zu einer kräftigen Liquiditätsspritze verhalfen. Sie zeichneten neue Aktien und Wandelanleihen und stellten Kredite über insgesamt 51,3 Mrd. Dollar. Die Gesellschaften nutzten davon bisher 34,6 Mrd. Dollar, um in 2322 Deals weitere Bürogebäude, Einkaufszentren, Logistikimmobilien, Seniorenheime und Wohnkomplexe zu erwerben, ermittelte das Analysehaus Costar. Das weitere Kapital soll in diesem Jahr investiert werden.
Die Immobilienpreise in den USA waren nach Ausbruch der Finanzkrise Ende 2008 zum Teil massiv gefallen und notieren noch immer weit unter früheren Höchstständen. Die REITs würden jetzt günstig einkaufen und sich so rechtzeitig für die bevorstehende Erholung der Gewerbeimmobilienmärkte positionieren, sagt Richard Milligan, Analyst beim Finanzdienstleister Raymond James: "In den vergangenen Jahren wurden in keinem Marktsegment nennenswerte Neubauten auf den Weg gebracht." Sobald die US-Wirtschaft anziehe und die Nachfrage nach Gewerbe- und Wohnflächen steige, würden die Mieteinnahmen der REITs deutlich klettern. "2012 dürfte der Total Return der US-REITs acht bis zwölf Prozent betragen", so Milligan. Ähnlich optimistisch zeigt sich Peter Rothemund, Analyst bei Green Street Advisors: "Die US-Wirtschaft wird sich zwar nur langsam erholen und damit auch die Flächennachfrage nur zurückhaltend steigen." Da keine neuen Gebäude fertiggestellt werden, dürften die Mieteinnahmen der REITs dennoch im Jahresverlauf deutlich zunehmen.
Besonders viele Kaufempfehlungen gibt es für die Aktien der Büroimmobilienbestandhalter Boston Properties (ISIN: US 101.121.101 8) und Vornado Realty (US 929.042.109 1). Skeptisch sehen etliche Analysten hingegen REITs, die auf Krankenhäuser und Seniorenheime spezialisiert sind. Nach Ausbruch der Finanzkrise hatten viele Anleger in diesen Papieren Zuflucht gesucht, weil das Geschäft der Gesellschaften unabhängig von der Konjunkturentwicklung ist. Das hat deren Kurse in die Höhe getrieben. Gewinnmitnahmen drohen, wenn Investoren in unterbewertete REITs umschichten sollten. Goldman Sachs rät deshalb beim Papier von Health Care REIT (US 422 17K106 0) zum Verkauf. Wells Fargo und Stifel Nicolaus haben Omega Healthcare (US 681.936.100 6) auf "Halten" herabgestuft.






