Die neuen Eigenkapitalrichtlinien für Banken unter Basel III zwingen börsennotierte Immobilienunternehmen, Kapitalerhöhungen vorzunehmen, um Expansionspläne finanzieren zu können. Das birgt Risiken für Kleinaktionäre. Wegen der relativ hohen Bankgebühren lohnt es sich für sie nicht, neue Papiere zu zeichnen. "Sie laufen Gefahr, dass der Nettovermögenswert ihres Aktienbestands verwässert wird", sagt Frank Neumann, Analyst beim Bankhaus Lampe.
Das vom Baseler Ausschuss der Bankenaufseher vorgesehene Reformpaket Basel III tritt zwar erst 2013 in Kraft. Schon jetzt orientieren sich Banken aber bei der Kreditvergabe an den Regeln. Sie sehen vor, dass Institute künftig Hypothekendarlehen mit mehr Eigenkapital hinterlegen müssen. "Das verteuert die Finanzierung von Immobilien", sagt Rüdiger Mrotzek, Vorstand von Hamborner REIT. Die Gesellschaft hatte sich deshalb schon 2010 über eine Kapitalerhöhung 76 Mio. Euro an frischen Mitteln für Zukäufe beschafft.
Diesen Weg schlagen nun immer mehr Immobiliengesellschaften ein. "Alle großen Branchenunternehmen haben angekündigt, wachsen zu wollen, und sind deshalb früher oder später auf Kapitalerhöhungen angewiesen", sagt Patrick Nass, Immobilienaktienfondsmanager beim Bankhaus Ellwanger & Geiger in Stuttgart.
Die Deutsche Wohnen besorgt sich gerade über die Ausgabe neuer Aktien 200 Mio. Euro, um weitere Wohnungskäufe stemmen zu können. Die Berliner Wohnungsgesellschaft GSW hat sich auf eine Kapitalerhöhung vorbereitet. "Uns liegt genehmigtes Kapital für die Emission von rund acht Millionen neuer Aktien vor", sagt Finanzvorstand Andreas Segal. Zwar gebe es noch keine konkreten Pläne: "Aber natürlich werden wir als börsennotiertes Unternehmen, das weiter wachsen will, in Zukunft Kapitalerhöhungen vornehmen."
Bei der Kapitalerhöhung der Deutsche Wohnen wird der Bezug von einem neuen Papier für je vier gehaltene Aktien angeboten. Kleinaktionäre mit einem Aktienbestand im Wert von von 2000 Euro könnten neue Papiere über 500 Euro zeichnen. Dabei würden jedoch Bankgebühren von rund 50 Euro fällig. "Das entspricht einem Aufschlag von zehn Prozent", sagt Dieter Thomaschowski, Geschäftsführer des Analysehauses Investment Research in Change IC (IRICIC).

ftd.de, 09:34 Uhr
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