Die Liste der Merkwürdigkeiten und beunruhigenden Nachrichten vom Münchner Immobilienunternehmen JK Wohnbau wird immer länger. Das seit einem Jahr an der Frankfurter Börse im Prime Standard gelistete Unternehmen hat am Dienstag erstmals eine Größenordnung für die längst überfällige Bilanz 2010 genannt: Nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS sei ein Verlust von 75,4 Mio. Euro zu erwarten. Eine immense Größe für die Firma, die für 2009 bei einer Gesamtleistung von gut 44 Mio. Euro knapp 6 Mio. Euro Gewinn ausgewiesen hat.
Der Megaverlust für JK Wohnbau schickte den Kurs der Aktie auf Talfahrt. Gegen Mittag betrug das Minus gut zwölf Prozent auf 5,37 Euro. Zwischenzeitlich betrug der Einbruch sogar knapp 46 Prozent.
Seit JK Wohnbau von der Quirin Bank im Herbst 2010 an die Börse gebracht wurde, hat die Gesellschaft keine Quartalszahlen mehr vorgelegt. Die Firma musste die Veröffentlichung der Bilnaz 2010 und der überfälligen Quartalszahlen immer wieder verschieben. Der hohe Verlust für 2010 wird mit Bewertungsbesonderheiten aus der zurückliegenden Abrechnung von Leistungen durch Aktien, Sonderkosten aus dem Börsengang sowie der Neubewertung von Immobilien erklärt. Zudem seien die Finanzierungskosten gestiegen.
Offensichtlich ist der JK Wohnbau-Vorstand mit Unternehmensgründer Josef Kastenberger so erbost über das Ergebnis, dass er am Dienstag nach eigenen Angaben beschloss, "dem Abschlussprüfer keine weiteren Informationen mehr zur Verfügung zu stellen". Daraufhin habe der Abschlussprüfer - die Stuttgarter Kanzlei Wirtschaftstreuhand - ein Testat unter die Konzernbilanz 2010 verweigert. Ein so genannter Versagungsvermerk aufgrund von Prüfungshemmnissen. Jetzt soll eine unabhängige Wirtschaftsprüfungskanzlei den Abschluss zum September 2011 prüfen. Kastenberger kündigte an, dass er zum Jahreswechsel die Fortführung der Firma auf einen Nachfolger übertragen will.
Pikant ist, dass JK Wohnbau den Rekordverlust in einer Pressemitteilung mit keiner Silbe erwähnt und nur über eine Börsen-Pflichtmittelung publiziert hat. In der eigenen Pressemitteilung wird für 2011 ein deutlich positives operatives Ergebnis und ein Umsatz von deutlich mehr als 100 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Das Ergebnis werde aber durch Finanzierungskosten belastet.






