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01.11.2011

Renditeobjekt Wohnheim

Studentenwohnheim in Kopenhagen
Investor-Artikel

Mieterebbe nach der Studentenflut

Investoren versprechen Anlegern mit Wohnheimen attraktive Renditen. Doch die Zahl der potenziellen Bewohner wird in den kommenden Jahren dramatisch sinken. Von Richard Haimann

An den Wohnungsmärkten deutscher Universitätsstädte geht es derzeit ebenso eng zu wie in den Hörsälen. Zusätzlich zu den doppelten Abiturjahrgängen treibt auch noch die Aussetzung von Wehr- und Zivildienst die Zahl der Studienanfänger und Wohnungssuchenden in die Höhe. Initiatoren geschlossener Immobilienfonds sehen deshalb in Studentenwohnungen eine neue Investmentnische.

Emissionshäuser wie MPC Capital, Grundkontor und Kapitalpartner haben schon Fonds aufgelegt, die in Wohnheime investieren. Das Fondshaus Hamburg will demnächst ein solches Beteiligungsmodell an den Markt bringen. Experten bezweifeln aber, dass sich die Investments für Anleger rentieren werden. "Die Zahl der Studenten wird durch die schrumpfenden Einwohnerzahlen in den kommenden Jahren massiv zurückgehen und damit auch der Bedarf an Studentenwohnheimen", warnt Thomas Beyerle, Chefresearcher der Immobilienfirma IVG.

Zunächst wird es allerdings zu Engpässen an den Wohnungsmärkten kommen. "Die entfallende Wehrpflicht, kürzere Schulzeiten und eine Internationalisierung der Studentenschaft werden kurzfristig zu einer weiteren Zunahme der Studentenzahlen an deutschen Universitäten führen", sagt Alexander Betz, Vorstand des Emissionshauses MPC Capital. Der Initiator will mit dem MPC Deutschland 11 für 67 Mio. Euro fünf Studentenwohnheime in Greifswald, Frankfurt am Main, Karlsruhe und München erwerben. Sie sollen für 14,5 Jahre an die Betreibergesellschaft Youniq Service verpachtet werden. Den Anlegern stellt das Hamburger Emissionshaus Ausschüttungen von 5,75 Prozent pro Jahr in Aussicht.

Dass kurzfristig Bedarf besteht, bestätigt die Kultusministerkonferenz. Danach beginnen 2011 rund 413.800 Studenten - so viele wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. 2013 soll es gar 424.600 Einsteiger geben. In den Folgejahren allerdings wird die Zahl neuer Studenten nach der Prognose fallen. 2020 werden nur 373.800 Neulinge an den Unis erwartet. Das liege an den schrumpfenden Geburtenraten, sagt Günter Vornholz, Leiter Marktanalyse beim Immobilienfinanzierer Deutsche Hypo: "Die jetzt kurzfristig durch die doppelten Abiturjahrgänge und die Aussetzung von Wehr- und Zivildienst steigende Zahl der Studienanfänger spiegelt nicht die langfristige Entwicklung wider."

Marcus Cieleback, Researchchef des Investmenthauses Patrizia, sieht für Wohnheime nur in Großstädten wie Hamburg und München langfristig gute Möglichkeiten: "An diesen Standorten gibt es so wenige Wohnungsangebote für Studenten, dass diese Spezialimmobilien über viele Jahre hinweg gut nachgefragt werden." In mittelgroßen Unistädten bestehe das Risiko, dass "Studentenwohnheime nicht nachhaltig vermietet werden können". Diese Einschätzung teilen Wohnungsunternehmen: "Im Moment ist es für Studenten in Jena schwierig, eine Unterkunft zu finden", sagt Stefan Wosche-Graf, Geschäftsführer von Jenawohnen; das Unternehmen stellt mit 14.000 Einheiten ein Viertel aller Wohnungen in der thüringischen Unistadt. Dennoch will Wosche-Graf keine Studentenwohnheime errichten: "Schon in wenigen Jahren wird sich der Markt entspannt haben."

Michael Günther, Leiter Akquisition beim Fondshaus Hamburg, sieht dennoch Bedarf für Studentenapartments. "Die auf Effizienz getrimmten Studiengänge sorgen bei den Studierenden für eine große Nachfrage nach flexiblen Wohnlösungen, die ohne viel Aufwand einen angenehmen Lebensstandard ermöglichen." Damit ein Fonds erfolgreich sei, komme es "auf die Auswahl der richtigen Stadt, der Lage und einen erfahrenen Betreiber an".

IVG-Researcher Beyerle erinnert das Ganze an den kurzen Boom der Boardinghäuser vor rund zehn Jahren. Damals prognostizierten Investoren, Geschäftsreisende würden auf Businesshotels verzichten und die speziellen Apartments mit Internetzugang anmieten. "Bis auf wenige Ausnahmen floppten alle Boardinghäuser, weil Businesshotels ihre Zimmer mit Internetzugängen versahen", sagt Beyerle: "Dieses Schicksal dürfte auch vielen Studentenwohnheimen drohen."

ftd.de, 11:29 Uhr
© 2011 ftd.de © Fotos / Illustrationen: Tietgenkollegiet


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