Solche Wohnlagen sind rar in Deutschland: Der Blick von der 100 Quadratmeter großen Dachterrasse schweift frei bis zur Dresdner Altstadt. Der Zwinger ist fünf Fußminuten entfernt, dahinter glitzert an schönen Tagen die Elbe in der Sonne. Die Nähe zum Fluss ist für Kerstin und Olaf Förster neben der zentralen Lage ein entscheidender Punkt. "Danach haben wir lange gesucht", berichtet Förster. "Hier wohnen wir mittendrin und trotzdem ruhig." Beide gewannen bei der Olympiade 1988 in Seoul eine Goldmedaille im Rudern, beide sind weiterhin in ihrem Sport aktiv.
Försters Geschmack trifft den Nerv vieler Wohnungssuchender seiner Generation. Endlich nicht mehr pausenlos den Taxifahrer für die Kinder spielen, Einkaufsmöglichkeiten und den Arbeitsplatz ohne Stau und Stress erreichen, Kultur und Kneipen nur einen entspannten Fußmarsch entfernt. Auch die Kinder Flora, 14, und Franz, 16, sind auf der Gewinnerseite. Zu Schulen und Trainingsstätten dauert es nicht mal eine halbe Stunde mit dem Auto, sie liegen gleich um die Ecke. "Ihre behütete Kindheit in Moritzburg war wunderbar, aber jetzt zählen Kinos und Discos", sagt Olaf Förster.
Die Immobilienpreise differenzieren sich immer stärker
Bei Wohnungen in solcher Lage sind Wertsteigerungen programmiert. In anderen Vierteln dagegen zeigt die Preisentwicklung in die umgekehrte Richtung. Die Differenzierung auf den Immobilienmärkten nimmt zu, nicht nur je nach Region, sondern auch innerhalb der Städte. Die Gründe dafür, warum es hier aufwärts geht und wenige Hundert Meter entfernt die Preise fallen, sind individuell. Das ist ein wichtiges Ergebnis der zweiten Auflage des Capital-Immobilien-Kompasses.
Erneut hat die Redaktion in monatelanger Kleinarbeit vor Ort recherchiert. Die Autoren führten Gespräche mit 350 Maklern in 84 Städten und informierten sich über die aktuelle Situation und die Tendenzen innerhalb der einzelnen Stadtteile.
Das Resultat der aufwendigen Aktion sind wichtige Zahlen und Fakten für Eigentümer, Investoren und alle, die darüber nachdenken, ein Eigenheim zu kaufen oder selbst zu bauen. Sichtbar gemacht in detaillierten Karten der bedeutendsten Städte quer durch Deutschland. Farblich abgestuft zeigen sie auf einen Blick, wo sich die jeweiligen Luxuslagen befinden, die guten Wohnviertel, Lagen von mittlerer und einfacher Qualität. Dazu gibt es Prognosen zu den Preis-, Wert- und Mietentwicklungen.
Wer fühlt sich wohl in den einzelnen Vierteln? Machen Studenten und junge Leute hier die Nacht zum Tage, ist die Gegend bei Familien mit Kindern erste Wahl, oder ist der Stadtteil eher bei älteren Menschen beliebt? Wo befindet sich der beste Italiener am Platz, wie weit ist es bis zu den angesagtesten Kneipen? Welche Prominenz aus Sport, Kultur und Wirtschaft wohnt in der Nachbarschaft? Auch diese Fragen beantwortet der Capital-Immobilien-Kompass. Zusätzliche Details finden die Leser im Internet unter der Adresse
www.immobilien-kompass.de
Warum gerade jetzt bauen oder kaufen? Ganz einfach: Die Gelegenheit ist günstig. Die Mieten sind bereits spürbar teurer geworden, was bislang stets als sicheres Zeichen für in Kürze ebenfalls steigende Immobilienpreise galt. Gleichzeitig verharren die Zinsen auf niedrigem Niveau. Beste Voraussetzungen für lang laufende Zinsfestschreibungen und damit dauerhafte Belastungen ohne Überraschungen.
Verblüfft darüber, wie unterschiedlich die Entwicklung in den Städten und Stadtvierteln Deutschlands verläuft, zeigen sich nur absolute Laien. Bereits in der ersten Ausgabe des Immobilien-Kompasses im vergangenen Jahr hatte Capital festgestellt, dass manche Wohnquartiere vor einem tiefgreifenden Wandel stehen. Und nicht immer ist dabei der Sprung in die nächst höhere Lagenkategorie gemeint.
Im Gegenteil: Gerade wer in einigen der teuersten Stadtviertel auf steigende Werte setzte, hat sich kräftig verspekuliert. In Grünwald bei München etwa hat der Käufer meistens das letzte Wort. "Ich zahl’ nicht mehr", heißt es auch im Kölner Prominentenviertel Hahnwald – trotz privaten Sicherheitsdienstes und erlauchter Nachbarschaft mit FC-Köln-Trainer Christoph Daum und TV-Total-Nervensäge Stefan Raab. Zu weit draußen, zu viele alte Anwohner, zu weit weg vom quirligen Stadtzentrum – so begründen die meisten dort ihre Wegzugspläne. Ob mit oder ohne Kind, es zieht sie zurück ins pralle Leben der Innenstädte.
Der obligatorische Umzugsaufwand fällt demgegenüber kaum ins Gewicht. Das Bremer Ehepaar Susanne Borchers-Tempel und Günter Tempel etwa nimmt die Unannehmlichkeiten einer umfassenden Renovierung gerne in Kauf. "Von genau solch einem Haus im Bremer Stadtteil Findorff haben wir geträumt", sagt die 44-jährige Mutter. Das Jugendstilhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche aus dem Jahr 1907 liegt am Weidedamm, einer der begehrtesten Lagen der Stadt. "Ich kann mir keinen schöneren Stadtteil vorstellen", meint Borchers-Tempel. Lange hat die wissenschaftliche Beraterin mit ihrer Familie nach dem Traumobjekt gesucht: "Es musste der Weidedamm sein. Hier können wir sehen, wie die Sonne über dem Bürgerpark aufgeht."
capital.de, 07.05.2008
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